Herren 1 crasht Aufstiegsfeier in Sieg und sendet sensationelles Lebenszeichen
Sensationssieg: HVE überrascht den Tabellenführer und erspielt sich ein Endspiel
Die erste Herrenmannschaft des HVE sorgt für eine faustdicke Überraschung: Mit einem 38:40-Auswärtssieg beim sicheren Aufsteiger HSG Sieg wahrt das Team seine letzte Chance auf den Klassenerhalt. Nach zuletzt schwachen Auftritten zeigte die Mannschaft ausgerechnet gegen den souveränen Tabellenführer eine leidenschaftliche Leistung und belohnte sich mit einem Endspiel um Platz 9 am letzten Spieltag.
Es wäre nicht der HVE, wenn es nicht dramatisch und ein wenig unlogisch zugehen würde. Nachdem sich das Team in der Rückrunde mühsam aus dem Tabellenkeller gekämpft hatte, folgten drei enttäuschende Niederlagen in entscheidenden Partien. Platz 10 – der den Abstieg bedeuten könnte – schien besiegelt, und nur vier Punkte aus den letzten beiden Spielen konnten noch Hoffnung bringen. Doch ausgerechnet jetzt wartete die schwerstmögliche Aufgabe: Ein Auswärtsspiel beim unangefochtenen Spitzenreiter, der sich nach einer dominanten Saison mit den eigenen Fans feiern wollte. Die Erwartungshaltung in der Halle war klar: Ein deutlicher Sieg für die HSG, während der HVE als bloßes Sparringspartner für die Aufstiegsfeierlichkeiten diente.
Doch der HVE war nicht gewillt, sich kampflos zu ergeben. Von Beginn an hellwach, erwischte das Team den Favoriten mit einem 0:4-Lauf. Die Defensive stand stabil, die Gastgeber fanden zunächst kein Durchkommen und erzielten erst in der 7. Minute ihren ersten Treffer. Auch als die HSG Sieg allmählich ins Spiel fand, hielt der HVE dagegen. Selbst nach Ausgleichstreffern legte das Team immer wieder nach. Den Schlusspunkt der ersten Hälfte setzte Jakob mit einem spektakulären Treffer nach einem perfekten Pass von Tim über das gesamte Feld – damit ging der HVE mit einer knappen, aber verdienten 17:18-Führung in die Pause.
In der Kabine war spürbar: Hier geht etwas, aber nur, wenn es mindestens so konzentriert weitergeht. Gewonnen war noch nichts.
Der Start in die zweite Halbzeit misslang jedoch komplett. Innerhalb von viereinhalb Minuten kassierte der HVE fünf Gegentreffer, der Trainer zog früh die grüne Karte. Trotz eigener Treffer lag das Team plötzlich mit drei Toren zurück – das hart erarbeitete Polster war dahin. Es drohte der erwartete Spielverlauf, doch der HVE bewies Moral. Statt einzubrechen, kämpfte sich die Mannschaft zurück ins Spiel.
Der Angriff schaltete nun einen Gang hoch: Gegen die offensivere Abwehr der Gastgeber agierte der HVE geduldig, suchte gezielt Lücken und erzwang immer wieder Siebenmeter. In der 40. Minute gelang der Ausgleich, kurz darauf ging das Team zum letzten Mal in Rückstand. Die HSG Sieg versuchte mit verschiedenen Abwehrformationen (6:0, 4:2, 5:1) gegenzusteuern, doch der HVE zeigte endlich all das, was zuletzt gefehlt hatte: In Überzahl wurde clever gespielt, der Ball lief flüssig, und von jeder Position ging Torgefahr aus. Mit jedem kleinen Fehler der Gastgeber zog der HVE weiter davon – mal nach einem Fehlwurf, mal nach einer Zeitstrafe. Spätestens mit der ersten Drei-Tore-Führung zehn Minuten vor Schluss war die Sensation greifbar.
Fünf Minuten vor dem Ende zog die HSG ihre letzte Option: eine offene Manndeckung. Der HVE geriet ins Straucheln, verlor zweimal leichtfertig den Ball, und Trainer Micha nahm beim Stand von 34:37 vier Minuten vor Schluss die letzte Auszeit. Der HVE geriet zweimal ins Zeitspiel, doch erst wurde ein abgefälschter Ball gedankenschnell zum freien Wurf genutzt, dann ein Verteidiger mit einem Pass in den Rücken ausgespielt. Zwei starke Paraden in der Defensive sorgten dafür, dass die HSG nicht mehr gefährlich herankam. Trotz einiger Ballverluste brachte der HVE die Führung schließlich souverän über die Zeit und gewann mit 38:40!
Festzuhalten ist wieder einmal: Bei dieser HVE-Mannschaft ist alles möglich, in beide Richtungen, gegen jeden Gegner. Der Auftritt gegen Sieg war eine geschlossene Leistung, in der jeder auf der Platte seinen Anteil hatte. Im Tor zeigen beide Torhüter eine starke Leistung und verhinderten immer wieder in kritischen Situationen Wurfchancen. Im Mittelblock wie auch offensiv ackerten beide Kreisläufer, offensiv war das Zusammenspiel auf einem ganz anderen Level als zuletzt gesehen. Erwähnt werden sollten auf jeden Fall die 19(!) Tore von Lars, die herausstechen; selten haben 19 Tore eines einzelnen Spielers so für den Kampfgeist der Mannschaft gesprochen, denn insgesamt 12 davon wurden mit Strafwürfen erzielt, für die sich ein ums andere Mal ein HVE-Spieler in die Zweikämpfe warf.
Durch diesen Überraschungssieg vermiest der HVE nicht nur die Aufstiegsfeier der HSG Sieg, sondern erspielt sich vor allem die Chance, am letzten Spieltag noch einen entscheidenden Tabellenplatz gutzumachen. Damit der Klassenerhalt gelingt, braucht das Team nun die volle Unterstützung der Fans – beim alles entscheidenden Heimspiel gegen Geislar.